Handwerk

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Willkommen in Taka Tuka Land …

Er muss schon immer da gewesen sein, dieser Drang etwas zu machen, was andere Menschen unterhält.
Etwas, das ihnen einen guten Moment oder eine gute Zeit gibt, egal wie sehr sie die Probleme des Alltags drücken.

So gehörte ich mit 15 oder 16 der Theater AG jener Schule in Dortmund an, auf die ich ging. Ich weis nicht mehr,
wie das Stück hieß, das wir zum Besten gaben. Wir hatten aber, wie es sich gehört, wochenlang nach dem Unterricht
geprobt und waren uns am Aufführungstag sicher, dass es großartig werden würde.
Das wurde es auch. Keine Frage. Die Aufführung war ein voller Erfolg. Gut, keine standing Ovations, aber den
Zuschauern hat es gefallen. Das ist die Hauptsache.
Nachdem der Vorhang wieder geschlossen war, kam die Lehrerin auf mich zu und wies mich darauf hin, dass ich
die Aufführung um etwas 45 Minuten verkürzt habe.
Ich? Wie kommt sie den da drauf?
Mitspieler fragten mich, wieso ich die Textstelle zwischen A und B einfach weg gelassen hatte.
Hatte ich wirklich?
Sofort wurde das Textbuch überprüft.
Ja, ich hatte tatsächlich.
OOOUUUPSS !
Mir war ein Teil des Textes vollkommen durch gegangen.
Das verblüffende war, dass es niemanden gestört hat. Es gab auch keinen auffälligen Bruch im Handlungsstrang.
Und ich kann mich daran erinnern, dass Zuschauer auf uns zukamen und uns gratulierten, weil sie sich wunderbar
unterhalten fühlten.

Ein Lektor erzählte mir mal, dass er eine Zusendung erhalten habe:
“Sehr geehrter Herr XXX”, stand da. “Ich sende ihnen mein Manuskript ab Kapitel drei zu. Ab hier wird es nämlich
richtig spannend. Wenn sie Interesse an meinem Buch haben, sende ich ihnen auch Kapitel ein und zwei zu, damit es
vollständig ist.”
Der Lektor schrieb zurück: “Lieber Herr XXX. Vielen Dank für ihre Zusendung. Ich sage ihnen ganz offen, dass ich ihr
Manuskript nach den einleitenden Worten nicht gelesen habe. Sie werden jetzt sicher fragen, warum nicht. Nun,
ich würde ihnen raten, sich noch einmal daran zu machen und es zu überarbeiten. Wenn sie meinen, dass Kapitel eins
und zwei so unwichtig wären, dass ihr Manuskript erst ab Kapitel drei wirklich spannend wird – wieso haben sie es dann
geschrieben?”

In beiden Bespielen geht es um unnötigen Text, der nichts transportiert. Keine wichtigen Informationen, die die Geschichte
“runder” machen, keine Informationen, die später als fehlend auffielen.
Warum also wurden sie geschrieben? Um zu langweilen? Oder das Manuskript länger zu machen?

Natürlich schreiben die allermeisten Autoren keine Zeilen, um das Manuskript unnötig in die Länge zu ziehen.
Aber warum schreibt er sie dann?
Ich glaube, dass die Szene bei der Erstellung des Manuskripts oder der Idee, eine Rolle spielten. Zu dem Zeitpunkt waren
waren sie richtig und wichtig. Und wahrscheinlich auch notwendig.
Und dann hat der Rest diesen Teil beim Schreiben einfach überrollt. Deshalb wirkt er im Nachhinein unwichtig.
Und wieso hat er sie beim lesen nicht einfach weg gestrchen? Hier sollte man immer bedenken:
Der Autor schreibt etwas aus dem Nichts. Er schreibt keinen Text um. Er muss sich etwas völlig Neues einfallen lassen.
Aus einer Inspiration wird eine Idee und aus der Idee ein ausgefertigtes Expose.
Und doch kann das fertige Manuskript am Ende völlig anders aussehen, weil irgendwann die Figuren ein seltsames
Eigenleben entwickeln. Ähnlich wie eine Reihe Domino-Steine. Die gesamte, aufgestellte Reihe ist die Idee.
Der erste Stein ist der erste Satz. Der letzte Stein ist das Wort ENDE.
Stößt man den ersten Stein hat, hat man den Buchdeckel aufgeschlagen und beginnt zu lesen. Wenn alles gut geht,
fallen alle Steine mit rasanter Geschwindigkeit bis zum Letzten, dem Ende.
Oder in der Idee ist etwas nicht stimmig. Dann hakt es. Dann hätte man nachbessern müssen.
Willkommen im Reich von Taka-Tuka, in dem alles möglich ist – so lange man es glauben kann.

Haben Sie beim Lesen meiner Reihe an Dominosteinen eine Stelle gefunden, an de es hakt?
Dann lassen Sie es mich wissen!

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