Tipps und Tricks

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Wie schreibt man eigentlich “gut”?

Hemingway hat mal gesagt:
»Die wesentlichste Gabe für einen guten Schriftsteller ist ein innerer Apparat,
der einen unfehlbar vor jedem Mist warnt.«

Das klingt gut, stellt aber jeden kreativen Menschen, der den Kampf mit der leeren Seite aufnimmt um diese mit phantastischen Ideen zu füllen vor die allumfassende Frage:
“Sind meine Ideen gut – oder sind sie Mist?”

Ich durfte in Chicago, Illinios, USA den leider viel zu früh verstorbenen Drehbuchautor und Schreib-Coach Blake Snyder (* 3. Oktober 1957 in EvanstonIllinoisVereinigte Staaten; † 4. August 2009 in Beverly HillsKalifornien,) kennen lernen.
Blake hatte die wunderbare Art einem beim Schreiben niemals den Mut zu nehmen. Egal wie hanebüchen das Niedergeschriebene war. “Ja…”, sagte er mit einer tiefen Überzeugung, “Das ist wirklich gut. Vielleicht kann man dieser Figur noch ein bisschen Handlung geben. Oder dort den Handlungsort verändern. Das könnte es für den Zuschauer NOCH interessanter machen.
Tat es. Jedenfalls in 99% der Fälle. Und Blake konnte zugestehen, dass “die andere Idee” vielleicht doch ein bisschen besser war.
“Es ist doch ein kreativer Prozess, der das Beste aus Vielem herausbringen soll.”, sagte er dann vollkommen unprätentiös..
Was er aber eben auch sagte war, dass es kein Rezept gibt, was gefällt und was nicht.
Schreiben ist Handwerk. Es folgt gewissen Regeln.
Dabei muss das, was mir gefällt Ihnen noch lange nicht gefallen. Und umgekehrt.
Und das ist gut so.
Was uns zurück zu Hemingway bringt.
Gibt es wirklich Mist?
Meiner Meinung nach, lautet die Antwort eindeutig und ganz klar NEIN.
“Mist” ist nur eine Geschichte, die nicht richtig erzählt wurde. Götz George hat sich einmal darüber echauffiert, dass die Menschen aus einem Star Wars Film kommen und begeistert von der Handlung sind. Dann schauen sie einen Tatort und schimpfen, wie unrealistisch der war. Aber woran liegt das? Jedem ist doch klar, dass es keine Lichtschwerter gibt und, zumindest aus dem heutigem Verständnis, heraus, auch nicht geben wird, weil man Licht nicht auf 1,5 Meter, eben wie bei den Lichtschwertern, begrenzen kann. Ebenso weis jeder, dass es keine Raumschiffe gibt, die jahrelang durchs All fliegen und “Missionen” erfüllen. Wieso auch. Der nächste Explanet mit dem hübschen Namen “Proxima Centauri b”, ist 4,2 Lichtjahre entfernt. Klingt jetzt nicht so weit, ist aber 1,08 Milliarden km/h (Lichtgeschwindigkeit) x 24 (Stunden) x 365 (Tage) x 4,2 (Jahre).
Wie weit zeigt Ihr Taschenrechner noch an?
Und dennoch kommen wir jubelnd aus dem Kino.
Es liegt einfach an der Glaubwürdigkeit des erzählten.
Es kann der größte Mist sein. Wenn es glaubhaft erzählt ist, kann es sein, dass die Menschen es lieben und die phantasievolle “Mist-Geschichte” ein Knüller wird.


Mein – ganz unmassgeblicher – Tipp daher:
Schreiben Sie auf, was IHNEN gefallen würde. Was SIE fasziniert.

In einem Seminar von Robert McKee, dem Drehbuchguru in Hollywood, gab dieser als Masstab für eine Geschichte folgende Denksportaufgabe:
Stellen sie sich vor, sie treffen im Hausflur zwei Nachbarn. Einer ist dafür bekannt, dass er die neuesten Informationen hat. Immer aus erster Quelle. Top-Aktuell. Aber er kann sie nicht vermitteln. Man möchte einschlafen, wenn er einem etwas erzählt.
Der andere Nachbar hat hingegen die Gabe, einem auch die Nachrichten von vor einer Woche noch so zu erzählen, dass man an seinen Lippen klebt. Da sLangweiligste wird aus seinem Mund ein Thriller.
Wem würden sie lieber zuhören?

Nehmen Sie doch einfach das als einen von vielen Massstäben für Ihre Geschichte. Würden Sie sich selbst zuhören, wenn Sie sich die Story vorlesen?
Oder würden Sie doch lieber noch die halbe Stunde Schlaf von heute Morgen nachholen?

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